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Zu Besuch beim Holz-Experten Moritz Amelung

Inspiration von Franziska Klün · Fotos Stefan Hähnel · 15. Dezember 2015

Es ist fast alles von ihm. Die Tische, der Tresen, die Regale, das Schild, die Küche. Moritz Amelung ist gelernter Tischler und studierter Produktdesigner und mit der vor wenigen Wochen eröffneten Weinbar Mauerwinzer in Berlin-Prenzlauer Berg hat er sich eine Art Showroom der Extraklasse erschaffen. Durch Zufall sind wir auf den Holz-Experten gestoßen und haben die Chance genutzt, ihn einen Tag lang zu begleiten. Auf der Tagesroute stand: erste Station – seine Werkstatt in Pankow; zweite Station – der Mauerwinzer in Prenzlauer Berg; dritte Station – seine Wohnung in Neukölln.

Im Laufe des Tages wird klar: So, wie es in der Mode fast unmöglich scheint, einen Maßschneider mit modernem Designverständnis zu finden, der einem den Anzug oder das Kleid genau so fertigt, dass man nicht nur Teile erhält, die von exzellenter Qualität sind und ewig halten, sondern die auch unter Modeexperten Zuspruch finden, so unrealistisch scheint es auch im Interior-Bereich zu sein, dass ein Profi im Design auch Profi in der Fertigung sein kann. „Das ist meine große Stärke“, sagt Moritz Amelung.

TreppeHolzpalette
Treppe
Küche
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Beim Mauerwinzer war er für einen großen Teil des Gestaltungskonzepts verantwortlich, umgesetzt hat er dieses am Ende natürlich auch. Die Bar sollte eine „Altholzoptik“ erhalten und nach gelebter Gemütlichkeit aussehen, Kamin inklusive. Amelung entschied sich für Kiefer, beizte diese weiß, desaturierte so das Holz, wie er sagt. „Ich bürste das Material und die weicheren Stellen aus, dadurch wird die Struktur besser sichtbar“, erklärt Amelung. Manchmal sei seine Arbeit wie Photoshop. „Halt nur in echt.“

Und auch seine Wohnung hat einen gewissen Showroom-Charakter – und das ist durchaus positiv gemeint: Unter der Treppe, die nach oben führt, hat Moritz Amelung ein größtenteils verschlossenes Regalsystem aus weiß lackiertem Holz hineingebaut, das auf elegante und unauffällige Weise enormen Stauraum schafft. Die Küche hat er mit bearbeiteten MDF-Platten verkleidet, in dunklem Grau mit geölter Arbeitsplatte. Der Esstisch aus indischem Apfelholz und auch die zwei dazugehörigen Sitzbänke sehen aus wie neu, dabei stammen sie aus Amelungs Studienzeiten. Er hat die Balken und den alten Dielenboden freigelegt, geschliffen, bearbeitet.

Seit seiner Tischlerausbildung schlägt sein Herz eben für Holz. Wenn der 40-Jährige über seine Arbeit spricht, darüber, was ihn fasziniert, dann schwärmt er von der Lebendigkeit des Materials, der Wärme und der Einzigartigkeit jedes Stücks. „Kein Holz ist wie das andere“, sagt Amelung. „Man weiß vorher nie, was man kriegt.“ Er schätzt an seiner Arbeit, dass er von der losen Idee bis zur Montage den ganzen Prozess begleiten kann. „Dadurch baue ich fast eine persönliche Beziehung zu meinen Möbeln und den Materialien auf. Ich fasse sie ständig an, streiche darüber, lerne jedes Teil und dessen Ecken und Kanten im Detail kennen. Im Grunde stecke ich viel Liebe und Zeit in jedes einzelne Produkt“.

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Amelung
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Es gibt Hölzer, die Moritz Amelung besonders schätzt, wie die heimische Rüster und Ulme „weil die so viele Farbnuancen haben und immer anders schimmern“. Auch für Ahorn hat er viel übrig, aus ganz persönlichen Gründen. Amelung war lange passionierter Skateboardfahrer und die Boards sind meist aus kanadischem Ahorn gefertigt. „Ahorn wächst langsamer, dadurch ist es fest, dicht und hart“, sagt er. Allerdings vergilbt es auch schneller als andere Hölzer, die richtige Bearbeitung ist eine wahre Herausforderung. Und da sei noch die Eiche. Lange verschrien, weil die Stilrichtung „Eiche Rustikal“ irgendwann nicht mehr in die Zeit passte, ist das Holz heute wieder total gefragt. „Weil man heute viel mehr über die richtige Bearbeitung weiß“, sagt Moritz Amelung. Die richtige Bearbeitung. Das ist sein Stichwort und neben seiner ganzheitlichen Expertise sein Aushängeschild. „Oft läuft’s doch so, der Tischler zeigt seine Holzpalette und der Kunde wählt. Aber man kann durch die Oberflächenbehandlung extrem viel steuern“, sagt Amelung. „Zerschneidet man ein Stück Holz in zehn Teile und behandelt diese unterschiedlich, glaubt man am Ende, man hätte zehn verschiedene Holzarten vor sich“.