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Video: Wie Sarah Illenberger die Schaufenster von Hermès gestaltet

News von Franziska Klün · Fotos Stefan Hähnel · 11. Oktober 2016

Sarah Illenberger liebt es, Geschichten zu erzählen. Dabei bedient sie sich nicht dem gesprochenen oder geschriebenen Wort – lieber verwandelt sie Alltagsgegenstände in kunstvolle Objekte. Nun hat die 3D-Illustratorin im vierten Jahr in Folge die Schaufenster des Pariser Luxushauses Hermès gestaltet, gemeinsam mit der Werkstatt für behinderte Menschen in Berlin-Kreuzberg. An elf Adressen in zehn deutschen Städten sind ihre Installationen bis Ende Oktober zu sehen. Die diesjährige Themenvorgabe: Steppe.

Wir haben den Schaffensprozess mit der Kamera begleitet und den Moment genutzt und Sarah Illenberger noch ein paar elementare Fragen zu ihrem Handwerk gestellt:

Sarah, mal baust Du Kakteenlandschaften aus Luftballons, dann verfremdest Du Eisbecher zu wilden Skulpturen: Wie entstehen die Ideen zu Deinen Arbeiten? Stehst Du irgendwo und es macht plötzlich klick?

Natur beziehungsweise Steppe darzustellen, ohne sie wirklich um sich zu haben, war eine echte Herausforderung. Ich habe lange gegrübelt, recherchiert, war sogar in der Stadtbibliothek und habe mich durch stapelweise Naturbücher geblättert. Mit meinen Arbeiten bringe ich oft Welten zusammen. Das funktioniert mal besser, mal weniger gut. Meist macht es  tatsächlich irgendwann „bäm!“. Das ist wie bei der Starthilfe von zwei Autos – irgendwann springt das eine an. Ich war bei einem befreundeten Künstler in München. Dort standen Pinsel in einem Glas. Ich musste sofort an Blumen und Pflanzen denken. Es ist oft so, dass ich für ein Thema recherchiere, viele Bilder sammle, Texte lese. Und in dem Moment, in dem ich mich entspanne, etwas im Grunde Beiläufiges passiert – ich eine Blume kaufe oder einen Kaffee trinke – klickt es plötzlich.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Werkstatt für behinderte Menschen in der Oranienstraße in Berlin?

Ich habe mir das Unionhilfswerk ausgesucht, weil der Betrieb eine der letzten Bürstenbindereien Deutschlands ist. Bürsten und Besen zu binden, ist ein aussterbendes Handwerk. Mit einem Betrieb in Berlin zusammenarbeiten zu können, war ein großes Glück. Unser Auftrag fiel ins Sommerloch, so dass die Werkstatt überhaupt die Kapazitäten hatte.

„Ich liebe Handwerk, das nachvollziehbar ist. Ich liebe, einfache Techniken in etwas Kunstvolles umzusetzen.“

– Sarah Illenberger

Wie groß war denn der Auftrag?

Sehr groß! Am Ende haben wir insgesamt 200 Distelblumen, 1500 Savannengräser, 50 Pusteblumen, 1000 Papirosblüten, 35 Steine, 400 Gräser, 20 Flaschenbürtstenbäume, zehn Flaschenbürsten, vier Büffel und eine Ziege hergestellt …

Sarah Illenberger Porträt
Sarah Illenberger Studio

Eine Materialschlacht!

Der Umfang war enorm. Unser Wunsch war ja, dass alles organisch aussieht und nicht nach Schablone gearbeitet wird. Oft mussten wir noch ein bisschen in die Bürsten reinschneiden, da die Mitarbeiter so perfekt und akribisch arbeiten. Agavenblüten wurden in der gleichen Technik wie Spülbürsten produziert. Die Haare werden zwischen zwei Drähte gespannt, so entstehen die buschigen Pflanzen. Aus Rosshaaren haben wir Grasbüschel gemacht, aus dunklen Ziegenhaaren wurden Distelblumen. Ich liebe Handwerk, das nachvollziehbar ist. Ich liebe, einfache Techniken in etwas Kunstvolles umzusetzen – den Moment, wenn man versteht: das ist doch eine Bürste! Aber sie sieht aus wie ein Strauch oder eine Blüte.

Wie wählst Du die Materialien aus?

Ich verwende gerne Materialien zum ersten Mal. Mit einem bestimmten Material viel Zeit zu verbringen, liegt mir nicht – lieber entdecke ich Neues. Ich habe eine ganze Materialliste, die ich in meinen Arbeiten gerne mal verwenden möchte. Besen und Borsten standen da sehr lange ganz oben.

Und welche Alltagsprodukte schätzt Sarah Illenberger, ohne dass sie diese direkt in Kunstobjekte verwandelt? Wir haben sie nach ihren Besten gefragt.